
Der Grundstein für den modernen Hafen wurde 1888 durch einen Beschluss der bulgarischen Regierung zum Hafenausbau gelegt. In seiner alten Form wurde der Hafen jedoch bereits seit der Antike genutzt. Der heutige Hafen ist in Varna-Istok („Varna-Ost“) und Varna-Zapad („Varna-West“) geteilt.
Bis zum Bau des modernen Hafens mussten die Schiffe 100 m vor der Küste ankern und die Waren wurden auf große Boote umgeladen und angelandet, da das Wasser nur drei bis vier Meter tief war. Bei starkem Wind mussten die Schiffe sogar in einer anderen Bucht Zuflucht suchen. 1888, 10 Jahre nach der Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich, beschloss die bulgarische Regierung dann den Bau und Ausbau der Seehäfen in Burgas und Varna.
Mit dem Hafenbau von Varna wurde nach einer Ausschreibung eine namenlose Aktiengesellschaft beauftragt, die von Ivan Groseb (bulg. Иван Грозеб) und Jiří Prošek geleitet wurde. Der Bau des Schwarzmeerhafens von Varna war der Höhepunkt der Bautätigkeit der Brüder Prošek (neben Jiří war auch sein Bruder Bogdan Prošek in Bulgarien tätigt). Mit der Planung des neuen Hafens wurde der Direktor des Hafens von Marseille (Alter Hafen), der französische Ingenieur Gerard betraut, der in Europa als erfahrener Spezialist auf diesem Gebiet bekannt war.
Der Hafen wurde am 18. Mai 1906 feierlich im Beisein des bulgarischen Fürsten Ferdinand I. eröffnet, drei Jahre nach dem Hafen Burgas. Da die beiden Brüder 1905 im Abstand von einem Monat gestorben waren, gab es erhebliche Probleme bei der Fertigstellung der Arbeiten.
Der Hafen bestand aus Kaimauern mit einer Gesamtlänge von 731 Metern, Lagerhallen, Hebevorrichtungen, Verwaltungsgebäuden und zwei Wellenbrechern von 1220 m Länge mit einer 200 m breiten Durchfahrt dazwischen. Das Hafenbecken war 8 bis 10 m tief und umfasste eine Fläche von 21 ha. Der Hafen bekam einen Eisenbahnanschluss, gleichzeitig wurde die Bahnlinie Varna-Sofia gebaut und damit ein nationales Transportsystem für Nordbulgarien geschaffen. Über die Bahnlinie Varna-Russe konnte die Ware an die Donau und zum weiteren Transport nach Mitteleuropa gebracht werden.
1976 wurde das Unternehmen Hafenkomplex Varna gegründet, das die Häfen von Varna (Ost und West), von Dewnya (ca. 35 km westlich von Varna entfernt), von Baltschik (ca. 50 km nördlich von Varna), und von Kavarna (ca. 60 km nördlich) mit einschloss. Dadurch wurde der größte Hafen des Landes geschaffen. Bis in die 1980er Jahre wurde durch das Unternehmen etwa die Hälfte des seeseitigen Güterumschlages Bulgariens abgewickelt. Getreide, Molkereierzeugnisse und Vieh gehören noch heute zu den wichtigsten Exporterzeugnissen.
Zum Unternehmen Hafen Varna gehört heute jedoch neben den Häfen Varna-Ost und West nur noch das Areal in Dewnya. Um den Hafen in Varna konzentrieren sich die Werften.
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